Zeit: 
Fr, 2010-02-05 (Ganztägig)

Ein Blick hinter die Kulissen der Deutschen Flugsicherung

Einige Mitglieder der Flugsportgruppe im DLR Oberpfaffenhofen e.V. waren Anfang 2010 zu Besuch bei der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) in München und hatten die Gelegenheit, die DFS näher kennenzulernen. Die Deutsche Flugsicherung ist ein kapitalprivatisiertes Unternehmen, das zu 100% dem Bund gehört. Es erfüllt in dessen Namen luftpolizeiliche Aufgaben und verfügt damit über hoheitliche Befugnisse im deutschen Luftraum.

Zu Besuch bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) - Gruppenbild der FSG-Mitglieder
Vom Start bis zur Landung überwacht die DFS sämtliche Flugbewegungen und ist damit der primäre Ansprechpartner für alle Piloten im Luftraum - ausgenommen ist militärischer Verkehr. So werden täglich ca. 9000 Flüge überwacht und aktiv kontrolliert, um den Flugverkehr für alle Verkehrsteilnehmer möglichst sicher, effizient und ökologisch zu gestalten. Die Deutsche Flugsicherung hat gegenwärtig 3 Kontrollzentren: Bremen, Frankfurt und München. Jede dieser Kontrollzentren überwacht einen spezifischen Bereich über Deutschland, dem sogenannten Flight Information Range (FIR). Neben dem klassischen Fluglotsen und seinem Partner, dem Planungslotsen - der den Fluglotsen bei der Überwachung unterstützt und die Koordinierung mit anderen Organisationsstellen durchführt sowie flugrelevante Informationen abruft - gibt es den Fluginformationsservice-Lotsen (FIS).

Der FIS-Lotse

Zu Besuch bei der DFS - FIS-Lotsen sind primär der Ansprechpartner für Piloten bei VFR-Flügen

Der FIS-Lotse ist in erster Linie für Flüge nach Sichtflugregeln über Deutschland zuständig. Er unterstützt diese dabei aktiv mit Informationen zu potentiellen Konfliktsituationen in der Luft - zum Beispiel einer gefährlichen Annäherung - sowie Informationen zu dem Wetter, den Flugplätzen, den Beschränkungsgebieten sowie der Koordination von Luftraumfreigaben, der Unterstützung in Notfallsituationen und vieles mehr. Sich den Diensten des FIS-Lotsen zu bedienen ist nicht nur komfortabel, sondern erhöht vor allem die Sicherheit, da der FIS-Lotse alle relevanten Informationen zeitnah liefern kann, mit anderen Stellen schnelle Koordinierungsleistung erbringt und mithilfe seines Radarschirmes den gesamten Luftverkehr dabei konstant im Auge behalten kann. Sich dieser Tatsache bewusst zu sein ist im fliegerischen Alltag äußerst wichtig, weshalb wir die Möglichkeit wahrgenommen haben im Rahmen unseres Besuches einen fokussierten Blick auf die Arbeit der FIS-Lotsen zu werfen.

Spannende Informationen für den fliegerischen Alltag

Besuch der DFS - Arbeitsplatz des Fluginformationsservice-Lotsen (FIS-Lotsen)_Foto: FSG

Der Arbeitsplatz des FIS-Lotsen ist umfangreicher als man zunächst annehmen möchte. Neben einem visualisierten Radarbild - mit abgeglichenen Primärradardaten, Sekundärradardaten, S-Mode-Daten und einer Airport Surveillance Radar-Visualisierung - bietet er eine Reihe anderer Informationsquellen auf die der Lotse nach Bedarf zugreifen kann, um dem Piloten Unterstützung zu leisten.

Dazu gehört:

  • Eine ständig aktualisierte Wetterdatenbank mit Informationen zu den Wettergebieten im bundesdeutschen Gebiet und konkreten Wetterinformationen zu den Flugplätzen
  • Eine Darstellung aller angemeldeten Flüge im ausgewählten Luftraum
  • Eine Aufschaltanlage zur direkten telefonischen Verbindung mit allen infrastrukturellen Einrichtungen der Luftverkehrsteilnehmer (beispielsweise Flugplätzen, Lotsen und Flugsicherungsorganisationen unserer Nachbarländer)
  • Die (ICAO-) Kartendarstellung eines ausgewählten Bereiches, um den Piloten navigatorische Unterstützung zu bieten
  • Nach intensiven Fachgesprächen und interessanten Einblicken in die Arbeitsverfahren wurden auch die wichtigsten Aspekte für VFR-Piloten im fliegerischen Alltag genannt:

  • Der Flugplan ist bei Einflug in die Platzrunde des unkontrollierten Zielflughafens zu schließen
  • Zum Kreuzen von Lufträumen mit Freigabeerfordernis sollte zunächst beim FIS-Lotsen angefragt werden, erst dann beim Tower oder Approach
  • Je nach Position des Luftfahrzeuges wird zur Kontaktaufnahme eine andere Funkantenne verwendet, weshalb es zu einer Verzögerung der Sprachübertragung kommen kann
  • Auch bei ausgefallenem Transponder wird das Luftfahrzeug über das Primärradar als "Fleck" auf dem Radarschirm des Lotsen angezeigt
  • Positionsmeldungen sollten einen großflächigen Bezug haben, um die räumliche Einordnung für den Lotsen zu vereinfachen (große Ortschaften, Flüsse, VOR's, NDB's)
  • Bezüglich Sperrgebieten, Kontrollzonen, Wetter- und Flugplatzinformationen sollte besser zu viel als zu wenig nachgefragt werden, der Lotse kann hier gerne Unterstützung bieten
  • Dank an die kooperative Flugsicherung

    Die Deutsche Flugsicherung nimmt zwar luftpolizeiliche Aufgaben wahr ist dabei aber auch aktiver Unterstützer für die Piloten in der Luft. Neben den beeindruckenden technischen Anlagen und Verfahren haben wir die DFS daher vor allem als Verkehrspartner wahrgenommen. Wir durften die freundlichen Mitarbeiter der DFS in angenehmer Atmosphäre kennenlernen und freuten uns über eine sehr persönliche Betreuung, wofür wir uns herzlich bedanken möchten. Ein solch anregender Informationsaustausch bietet einen fruchtbaren Boden zur Optimierung des nachhaltigen Luftverkehrsmanagements in Deutschland: Einem sicheren, flüssigen und ökonomischen Luftverkehr.

    Autor & Organisator:

    Markus Lang

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